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(Ehemalige maoistische Spitzenkader der sog. K-Gruppen, die wichtige Positionen bei den Grünen errungen hatten und sich dort auf dem rechten Flügel breit machten, dichteten der Partei-Linken gern eine SED- oder DDR-Nähe an. Anscheinend mussten sie, die die Greuel von Maos Kulturrevolution und die Massenmorde der Roten Khmer in Kambodscha gefeiert hatte, mit solchen Unterstellungen ihre eigene Wendung zur Demokratie unterstreichen – das typische Konvertitensyndrom. Auf eine dieser Attacken in ihrem Zentralorgan „Kommune“ antwortete ich am 24. Januar 1992 im Namen der „Undogmatischen Linken“ lakonisch mit einem bisher unveröffentlichten Thesenpapier.)

 

Darf jemand, der gegen die DDR war, auch gegen den Kapitalismus gewesen sein? So verrückt sich die Frage anhört, sie muss offensichtlich gestellt werden. Denn sie kehrt nur logisch um, was im grün-bürgerbewegten Dialog sich als These durchzusetzen beginnt: entweder man war gegen die DDR oder Antikapitalist (vgl. E.W. in der Kommune). Die Umkehrung des Satzes enthüllt seine Absurdität.

Dazu knappe Thesen aus Sicht der Undogmatischen Linken/Basisgruppen:

  1. Die dogmatische Linke war ein gravierendes Problem; die dogmatische Nicht-Linke ist eins.
  2. Die Nicht-Konvertiten haben es schwer: es fehlt der lange argumentative Anlauf zum kurzen Bekenntnis. Da gehen schnell die Sätze aus.
  3. Überwindung des Trennenden: statt langer Erörterungen ein Gläschen Wein
  4. Von Marx‘ „Pariser Manuskripten“ haben wir viel gehalten, vom „Kapital“ weniger, von Lenin nichts.
  5. Der Kapitalismus hat über Pankow gesiegt, jetzt besiegt er die Menschheit. Um letztere wäre es schade.

(Nur zur Info: Die universitären Basisgruppen der 1970er Jahre waren ein Gründungsstrom der Grünen. Sie hatten sich von den Peking-orientierten Maoisten ebenso entschieden abgegrenzt wie von den Moskau-orientierten Spartakisten und unterstützten, gerade weil sie sich als links und antikapitalistisch verstanden, Emanzipationsbewegungen im Ostblock. Es ist interessant, dass wir heute von den (Ex-) Maoisten ebenso beschimpft werden wie damals. Es sind dieselben Leute!)

Wir schmuggelten kritische Literatur in die DDR

Wir organisierten/unterstützten die Kampagne für den DDR-Dissidenten Rudolf Bahro

Wir organisierten/unterstützten die Kampagne für den ausgebürgerten Wolf Biermann

Wir unterstützten die unabhängige DDR-Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“

Wir unterzeichneten neben dem USA-kritischen „Krefelder Appell “ der Friedensbewegung auch den UdSSR-kritischen „Bertrand Russel-Appell“

Wir verurteilten neben der Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraken vom Typ Pershing II und Cruise Missile auch die sowjetischen Raketen SS 20 und den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan

Wir unterstützten die polnische Solidanosc ebenso wie ähnliche Bewegungen in anderen Ostblock-Ländern