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Im März 1979 erfand ich als Chefredakteur der „Bochumer Studentenzeitung“ an der Ruhr-Uni den „Unsymp der Woche“. Zum 20-jährigen Jubiläum dieser Rubrik schrieb die amtierende Redaktion eine Würdigung.

Unsymp wird 20!

Kurze Betrachtung dieser oft polemischen Rubrik

Am Anfang waren Ludger und Karl. Ludger hieß Volmer mit Nachnamen und wurde nach einem Wahlsieg der Basislisten (später: Buntspecht) 1979 zum BSZ-Redakteur. Karl war etwas älter als Ludger – kein Wunder, war Karl Schwind doch Justizminister des Landes Niedersachsen und Jura-Professor in Bochum. Heute sind wir Karl und Ludger dankbar, denn ihnen ist die Entstehung des „Unsymps der Woche“ vor 20 Jahren geschuldet.

Der erste Unsymp (BSZ 192, März 1979) füllte eine bis dato schmerzlich vernachlässigte Fläche unten links auf der ersten Seite der BSZ, wo er sich ungestraft breitmachen konnte. „Sich bewerben oder vorschlagen lassen darf jeder der RUB nahestehende (Un)Mensch, der in letzter Zeit besonders fies aufgefallen ist“ – so wurde der Kreis der möglichen Unsymps in spe kurz umrissen.

Verdient hatte Prof. Schwind diese zweifelhafte Ehre, indem er sich als Justizminister und als Kriminologe außergewöhnlich hart gegen Rückfalltäter und Kernkraftgegner aussprach, aber dagegen viel Verständnis für Vergewaltiger aufbringen konnte (so BSZ 192).

 Schwind zum Unsymp: „Rufmord“

In der Anfangszeit verteilte die BSZ-Redaktion Unsymps vor allem an Personen aus dem direkten Uni-Umfeld (z.B. Kurt Biedenkopf), aber schon bald rückten Institutionen und Sachverhalte ins Zielfeld der Kritik. So gab es beispielsweise Unsymps zum Sonnenschein, zu Kindern (Fazit: „Kinder sind zum Kotzen“), zum Sommerfest, zur Bundeswehr oder zu den Semesterferien. Papst Johannes Paul der II wurde anlässlich seines Deutschlandbesuchs unter dem Titel „Krazy Karol & the Kardinals“ gehuldigt.

Auch heute werden vereinzelt konkrete Missstände an der Uni auf- oder unangenehme Personen aus dem Uni-Umfeld angegriffen – meist beschäftigt sich der Unsymp allerdings mit anderen Themen (siehe Unsymp zur Berichterstattung über den Kosovo-Krieg in dieser Ausgabe).

Kuriositätenkabinett

Der heutige grüne Bundestagsabgeordnete Ludger Volmer ist inzwischen selbst Opfer seiner Rubrik geworden: In Ausgabe 497 (November 1997) wurde er für seinen Abschied aus der Anti-Atombewegung ge“unsympt“. Unangefochtener Spitzenreiter unter den Unsymp-Personen ist nach wie vor Prof. Schwind mit drei wenig schmeichelhaften Widmungen. In manchen Ausgaben gab es keine Unsymps, z.B. erschienen im ganzen Jahrgang 1983 nur zwei dieser Glossen, andere Ausgaben enthielten dafür gleich mehrere Unsymps. Zur 222. Ausgabe beantwortete die BSZ-Redaktion die Frage nach dem Unsymp mit einem fröhlichen „Gipps nich!“ – Schnapszahlen machen tolerant.

Ein einziges Mal scheiterte der Unsymp nach 1983 an Ermangelung geeigneter Kandidaten (BSZ 276) – folgerichtig machte sich die BSZ-Redaktion in der darauffolgenden Ausgabe selbst zum Unsymp.

Symps der Woche/des Tages

Lange Zeit einzigartig blieb der erste „Symp der Woche“: Am 15. Oktober 1981 wurde er den „Friedenshetzern“ verliehen – es war die Hochzeit der Friedensbewegung und 300.000 Menschen protestierten in Bonn ohne sich gegeneinander aufhetzen oder spalten zu lassen. Eigentlich ist es noch der einzige „Symp“, denn der zweite („Symp des Tages“) erschien außerhalb der regulären BSZ in der „Bochumer Streik-Zeitung“ (Nr. 3, 1.12.97) und war den Streikposten gewidmet und sagte einfach Danke. Für Unsymp-Vorschläge ist die Redaktion immer zu haben.

BSZ Nr. 500, 14.April 1999