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Mit-Gründer und Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen

1979 zählte ich zu den Gründern der "Sonstigen Politischen Vereinigung (SPV) Die Grünen", die - ohne bereits Partei zu sein - zu den Europawahlen antrat. Ein Jahr später be-teiligte ich mich an der Gründung der Bundespartei "Die Grünen". Als diese in den 1980er Jahren vom Flügelstreit zwischen "Realos" (Befürworter einer rot-grünen Regierung) und "Fundis" (Fundamentaloppositionelle gegen alles und jeden) zerrissen zu werden drohte, sammelte ich "undogmatische Linke" und begründete das "Linken Forum" mit. Es kam mir darauf an, auch den "linken" Parteiflügel für eine Regierungsbeteiligung zu gewinnen. Ohne diesen konnte eine rot-grüne Koalition schon zahlenmäßig nicht zustande kommen. Anders als die "Realos" aber wollten wir an den weitreichenden Ideen und Utopien der grünen Grün-dergeneration programmatisch festhalten und sie nicht der Koalitionsperspektive opfern: radi-kal in den Zielen, pragmatisch bei der Umsetzung. Gewiss das schwierigere Projekt.

Mit dieser Strategie betrieb ich die Integration der zerstrittenen Partei und nahm dafür in Kauf, dass polarisierende Kräfte austraten. Besser die Ränder absplittern, als sich in der Mitte spalten. So konnten "Undogmatische Linke" gemeinsam mit "kritischen Realos" die Partei stabilisieren. Auf Basis dieser Mitte-Links-Mehrheit wurde ich 1991 zum Parteivorsitzenden ("Sprecher") gewählt.

Wichtigstes Ziel war der Wiedereinzug in den Bundestag 1994, aus dem die westdeut-schen Grünen (anders als das ostdeutsche Gegenstück) 1990 ausgeschieden waren. Zu diesem Zweck managte ich die Fusion der Grünen mit Bündnis 90 - Bürgerrechtlern der ehemaligen DDR. 1993 wurde ich zum Co-Vorsitzenden der neuen fusionierten Partei Bündnis 90/Die Grünen (wieder-)gewählt.

Neben der Geburtshilfe eines grünen Jugendverbandes, dem Verlangen einer Neuordnung der Heinrich-Böll-Stiftung und der Begründung der Parteizeitung "Schräg/strich" sah ich es als meine Aufgabe an, eine tiefgreifende Reform der Parteistrukturen und gründliche Überar-beitung der Programmatik zu initiieren.

Auf dieser Basis sowie erfolgreicher Arbeit der grünen Landesverbände gelang 1994 trotz eines extrem geringen Wahlkampfetats das Come back in den Bundestag. Noch nie hatte eine Partei dies im deutschen Parteiensystem geschafft. Wenige Monate zuvor hatten Bündnis 90/Die Grünen mit 10% bei der Europawahl das bis dahin beste Ergebnis auf Bundesebene erzielt. Die Zeit im Vorstand nutzte ich zudem, um erste offizielle Beziehungen zum Bundes-vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, verschiedenen Einzelgewerkschaften und weiteren Verbände aufzunehmen. Auch Vereinigungen kleiner und mittlerer Unternehmen wurden angesprochen. Wichtige Voraussetzungen für die spätere Bildung einer Rot-Grünen Koalition im Bund.